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Nightfolio

Unabhängig, bis du kniest

Harper Walker kommt aus Sydney und prüft in Berlin eine Kanzlei, als wäre Unabhängigkeit nur eine weitere Spalte. Elias Krüger klickt die Kappe seines Pelikans zweimal, bevor er unterschreibt. Sechs Wochen Spätwinter. Irgendwann kniet er auf ihrem Linoleum, und die Erklärung muss neu gedruckt werden.

Freitagabend, Partnerzimmer, Jägerstraße. Die anderen waren schon im S-Bahn-Wind. Harper Walker, fünfundzwanzig, setzte sich in Elias Krügers Lederstuhl, nicht in den Besucherstuhl. Der Pelikan Souverän lag neben der Tastatur. Die Goldfeder war noch feucht von seiner letzten Paraphe. Sie drehte den Füller zwischen Daumen und Zeigefinger und ließ die Kappe offen.

Elias blieb stehen. Sechsunddreißig, Anzug noch zu. Das Zimmer gehörte ihm, bis sie den Stuhl nahm. Hinter ihr lag die Partnerakte auf. Der Reiter Unabhängigkeit war im Bildschirm sichtbar. Sydney hatte sie genau deshalb nach Berlin geschickt. Sex mit dem geprüften Steuerberater wäre ein Skandal. Aus ihrer Abendarbeit würde dann eine zweite Person. Die wollte sie nie sein. Sie dachte das. Sie blieb sitzen.

Ihr Rock lag glatt auf dem Leder, das noch seine Wärme hielt. Er stand zu nah für einen Partnertermin und zu weit für alles andere. Die Hände suchten die Taschen und fanden sie.

„Die Abweichung in Zeile 47 ist vermutlich nichts.“

Pause. Er musste den Satz stehen lassen. Harper rutschte nicht in eine andere Stimme.

Ihr linker Zeigefinger tippte zweimal auf die Schreibtischkante. Dieselbe Geste wie bei einer Bilanz, die aufgeht.

Er wollte den Stuhl zurück. Das lag in den Schultern. Er wollte auch, dass sie blieb. Der Mund ging auf. Nichts kam.

„Später.“ Harper stellte den Pelikan ab. „Küche. Abweichungen.“

Sie schickte ihn nicht weg. Sie zog den Reiter nicht zu. Er sah die Datei. Sie sah, dass er sie sah.

„Du weißt, was das kostet, wenn jemand reinkommt.“

„Dann kommt niemand rein.“

Er nickte zu früh. Sie gewährte den Punkt, indem sie schwieg, und ließ die Pause liegen, bis er sie füllen musste.

„Ich hole die Mappe.“

„Du holst nichts. Du gehst vor.“

Er ging. Harper blieb noch eine Minute im Leder. Der Stuhl war warm von ihm. An ihrer rechten Nagelhaut pickte Salz. Sydney. Ein Tick, den sie hasste, weil er nach Nervosität aussah. Sie knöpfte die Bluse nicht auf. Noch nicht. Draußen lag Februar auf der Jägerstraße. Innen tickte nur der Bildschirm. Der Unabhängigkeitsreiter blieb offen, als wäre Unabhängigkeit eine Spalte, die man später nachzieht.

Dreiundzwanzig Uhr zehn, Dunckerstraße, dritte Etage. Elias kniete, weil sie auf die Stelle zwischen Spüler und Heizkörper gezeigt hatte. Linoleum kalt durch die Anzughose. Der Heizkörper tickte gegen sein Knie. Gummigeruch vom Geschirrspüler.

Harper stand. Bluse noch zugeknöpft, Rock hochgeschoben. Kein Slip. Die Innenseite ihrer Oberschenkel war schon feucht, bevor sein Mund sie berührte. Sie hielt seinen Hinterkopf und schob ihm die Fotze in den Mund in dem Tempo, in dem sie Arbeitspapiere durchblätterte.

„Page one.“ Sydney-Vokale, flacher als im Büro. Kein Stimmwechsel.

Er leckte. Der Kopf zuckte zurück und blieb. Zwischen den Zähnen schmeckte Toner von den Ausdrucken, die sie mitgebracht hatte, gemischt mit ihr. Er wurde hart in der Hose. Das wollte er nicht merken. Er merkte es trotzdem.

„Page two.“

Sie fickte ihm den Mund. Klitoris hart gegen seine Zunge. Die andere Hand lag flach auf seinem Scheitel, fest, ohne zu reißen. Elias öffnete weiter. Speichel lief ihm übers Kinn auf die Krawatte. Auf der Anrichte stand das Ringlicht. Ein weißer Kreis auf seinem Rücken. Das USB-C-Kabel lag zwischen den Äpfeln. Er sah es. Sie sagte nichts dazu.

Er wollte sie warnen, dass das Licht an war. Die Partnerwahl lag in sechs Wochen. Krüger auf dem Messingschild. Wenn irgendwer dieses Kabel später irgendwo sah, war er der Mann, der gekniet hatte. Er wollte auch, dass das Licht anblieb. Die Zunge blieb, wo sie war.

„Page three.“

Harper kam ihm auf die Zunge. Ein Zucken, dann nass, bitter, warm. Sie blieb stehen, bis er schluckte. Erst dann ließ sie den Hinterkopf los.

„Gut.“ Derselbe Ton wie eine Frist. „Du bleibst.“

Er blieb. Kiefer offen. Der Heizkörper tickte weiter. Harper zog den Rock runter, als wäre das eine Mappe, die man schließt. An ihren Fingern lag noch Toner. Elias schmeckte ihn, als sie ihm über die Unterlippe wischte.

„Montag. Du sagst nichts in der Kantine.“

Er nickte. Der weiße Kreis blieb auf seinem Rücken, bis sie das Licht ausmachte, ohne das Kabel aus der Schale zu nehmen. An ihrer Nagelhaut pickte wieder das Salz. Sie drückte den Daumen ins Fleisch, bis es aufhörte, und knöpfte die Bluse nicht auf.

Dienstag, Kantine. Glas, zu viel Heizung, Kohl und Kaffee. Harper aß den Joghurt mit dem Firmenlöffel. Die andere Hand lag unter der Tischkante an Elias’ Oberschenkel. Daumen genau auf der Naht.

Er wurde hart. Der Stoff wurde feucht. Sein Schweiß stand zuerst über dem linken Ohr, dort, wo die Wintermütze nie saß. Er wollte die Hand wegschieben. Die Finger zuckten und blieben auf dem Tablett. Er wollte sie fester.

Zwei Tische weiter drehte sich die Partnerin.

„Elias. Die Unabhängigkeitserklärung für den Mandanten. Hast du die fertig?“

Harper nahm den Daumen weg in dem Moment, in dem er den Mund öffnete. Beinahe wäre er in der Hose gekommen. Die Assistenz stand im Türrahmen, Kaffeekanne in der Hand, Schiebetür zum Sekretariat offen.

„Ja.“ Die Stimme zu hoch. „Liegt in der Mappe.“

„Gut.“ Die Partnerin drehte sich zurück.

Harper löffelte, als wäre die Spalte geschlossen. Unter dem Tisch blieb der nasse Fleck. Elias drückte die Knie zusammen. Er dachte an den Reiter im Partnerzimmer. Ihre Hand war eben noch da gewesen, wo keine Prüferin eine Hand haben durfte.

„Du hast zu schnell geantwortet.“ Harper, kaum hörbar, Joghurt am Löffel. „Das klingt nach Schuld.“

Er wollte sagen, dass sie ihn fast hatte kommen lassen. Er sagte: „Zeile 47 ist noch offen.“

„Ist sie.“ Sie gewährte den Punkt zu schnell und ließ die Pause stehen. Die Assistenz füllte nach. Glas klirrte. Harper stand auf, Tablett in der Hand, und ließ ihn mit dem nassen Stoff sitzen. Die Frage, die nicht seine gewesen war, blieb auf dem Tablett liegen.

Donnerstagnacht, Wohnzimmerparkett. Rote Dokumentenschleife, noch mit Mandantenstempel, um beide Handgelenke hinter seinem Rücken. Die Schleife schnitt ein, ohne zu verletzen. Elias kniete, Hose auf den Schuhen, Hemd noch an. Der Schwanz stand frei und tropfte schon, bevor sie ihn berührte.

Harper schlug mit dem flachen Ordner, nicht mit der Hand. Sie zählte die Schläge wie Belege.

„Eins. Zwei. Drei.“

Seitenzahl 14 blieb als Rechteck auf der linken Gesäßhälfte. Wärme, kein Blut. Er zuckte und blieb. Die Sehne an seinem rechten Handgelenk zuckte nach einem Klick, den er nicht tun durfte, weil die Schleife die Hände hielt. Er wollte die Hände nach vorn. Er wollte auch, dass sie hielten.

Sie setzte sich ihm aufs Gesicht, nackt vom Gürtel abwärts, Bluse an. Fotze nass auf seinem Mund. Er stöhnte in sie, bevor sie ihm den Satz gab.

„Sag den Satz. Prüfungsstandard. Risiko.“

Er holte Luft gegen sie. „Der Prüfer beurteilt das Risiko, dass der Abschluss wesentliche falsche Angaben enthält.“

„Nochmal. Fehlerfrei.“

Er versprach sich bei wesentlich. Harper hob die Hüfte weg. Kälte auf der Zunge. Er jagte dem Satz hinterher, weil die Kälte schlimmer war als der Satz.

„Offener Punkt.“ Arbeitston. Keine zweite Stimme. „Du bist ein offener Punkt, Elias. Du liegst in der Liste, und ich schließe dich nicht.“

Er sagte den Satz noch einmal, langsam, und diesmal ließ sie die Hüfte sinken. Er stöhnte in sie, weil der Satz ihn hart machte, nicht obwohl.

„Jetzt.“

Er leckte die Klitoris, flach, dann fester. Sie ritt seinen Mund, bis sein Kiefer zitterte. Sie kam ein zweites Mal, zuckend, und wischte sich an seinem Hemdkragen ab. Nass auf der Baumwolle, dort, wo am Montag eine Krawatte sitzen würde.

Kein Orgasmus für ihn. Der Schwanz tropfte aufs Parkett. Sie sah ihn an, als wäre das eine Zahl, die nicht in die Spalte passte. Er hob die Hüfte trotzdem. Die Schleife hielt. Die Partnerwahl lag in vier Wochen. Unter der Hose würde ein Rechteck sitzen, das er niemandem erklären konnte, und er blieb trotzdem knien.

„Samstag Golf. Hose anlassen. Der Abdruck geht bis Sonnabend.“

Derselbe Ton wie eine Frist. Elias schluckte.

„Ist sie.“ Harper gewährte den Punkt, den er nicht gesagt hatte, und ließ die Pause stehen, bis sein Atmen sie füllte.

Sonnabend, sechzehn Uhr vierzig. Elias stand in ihrem Flur mit der Partnerpräsentation unter dem Arm. Gürtel schon offen, weil sie es so geschickt hatte. Februarlicht durch das Treppenhausfenster.

Harper drückte ihn gegen die Garderobe. Der Pelikan in ihrer Tasche stieß ihm gegen die Hüfte. Sie nahm seinen Schwanz in die Hand und führte ihn zwischen ihre Schamlippen. Nass bis zum Ansatz. Ein Zentimeter, vielleicht zwei. Die Eichel rutschte, heiß, und blieb dort. Sie atmete einmal durch die Nase, unhurried, als stünde sie noch im Lederstuhl.

Ihr rechter Daumen pickte an der salzigen Nagelhaut. Sydney. Ein Tick, den sie hasste.

Elias wollte tiefer. Die Hüfte zuckte. Dann griff seine Hand fest in ihre Hüfte, ohne dass sie es gesagt hatte.

Sie stieg ab. Pause. Luft zwischen ihnen, kalt. Zwischen ihren Schenkeln glänzte er noch, ein Streifen, der nicht seine Entscheidung gewesen war.

„Ja.“ Sie gewährte ihm den Punkt zu schnell. „Du willst.“

Dann die Leere, die er füllen musste. Er öffnete den Mund. Nichts kam. Die Präsentation knitterte unter seinem Arm.

Sie füllte sie selbst.

„Raus.“

Die Präsentation blieb auf der Konsole neben den Hausschlüsseln, ungelesen. Die Abstimmung rückte näher. Elias ging mit steifem Schwanz die Dunckerstraße runter, nasser Fleck, Februarwind. Gürtel offen unter dem Mantel. Begehren kaufte ihn hier nichts. Die Hand an ihrer Hüfte hatte ihn etwas gekostet, das er am Montag nicht in eine Spalte schreiben konnte.

Hinter ihm schloss Harper die Tür, ohne den Gürtel anzufassen, den er offengelassen hatte. Sie lehnte kurz an der Garderobe. Zwischen den Schenkeln nass, und sie wischte sich nicht ab. Der Pelikan lag in ihrer Tasche. Sie klickte die Kappe zweimal, hörte den Klang, und ließ ihn ungezeichnet. Auf dem Bildschirm in der Küche lag irgendwo noch der Reiter. Sie zog ihn nicht zu.

Mittwochnacht, fünfte Woche. Harper stellte das Ringlicht diesmal absichtlich auf. Der weiße Kreis lag zuerst auf dem Parkett, dann auf seinem Rücken, sobald er kniete.

„Rücken. Nicht Gesicht.“

Sie ließ die Pause stehen, bis er ja sagte. Er sagte ja. SD-Karte. Die Entscheidung lag bei ihm. Er gab sie ab. Er merkte, dass er sie zurücknehmen konnte. Er tat es nicht. Irgendwer in der IT konnte später denselben Ordner öffnen. Krüger auf dem Schild. Ihre Abendarbeit auf derselben Karte. Er kniete trotzdem.

Schleife wieder, diesmal die Knöchel dazu. Die Hände hinter dem Rücken, die Füße zusammen, Mandantenstempel gegen die Haut. Er kniete über dem niedrigen Prüfungsschreibtisch, auf dem noch seine eigenen Excel-Ausdrucke lagen. Harper mit Strap-on, schwarz, festgeschnallt über der Bluse. Sie schob ihm zuerst den Schwanz in den Mund, speichelnass, langsam, Arbeitstempo.

„Danke.“

Jeder Stoß ein Danke, sonst hielt sie an. Sein Mund machte den Laut, weil er ihn machen sollte, und weil ihm der Laut selbst den Schwanz nass machte. Dann zog sie raus, stellte sich hinter ihn, eine Hand in seinen Nacken, die andere am Becken. Der Gurt glitt in seinen Arsch, langsam, bis er voll war. Kein Reißen. Intensität, Gewicht, der Laut, den er in die Tischkante machte.

„Danke.“

Sie spuckte ihm in den Nacken, nicht theatralisch, eher wie einen Stempel. Am Rechner leuchtete ein Ordner mit der Mandantennummer. Er sah die Zahl. Unabhängigkeit war jetzt Datei, und er blieb voll, und er sagte danke, weil sie sonst anhielt.

Sie kam zitternd an seinem Rücken, zählte wieder, flach, page one, page two, und nahm den Gurt ab, bevor er kommen durfte. Der Schwanz schlug gegen die Tischkante, nass, und blieb unberührt. Er stieß in die Luft und bekam nichts. Die Schleife hielt die Knöchel, als er zuckte.

Sie strich ihm über das Haar, als wäre das die Schlussbesprechung.

„Du hast ja gesagt. Das reicht.“

Das Licht blieb noch eine Minute. Dann aus. Die Schleife ließ sie sitzen, bis seine Finger kribbelten. Elias atmete gegen das Holz. Auf dem Bildschirm stand die Nummer. Er kniete, bis sie „auf“ sagte.

Montag nach der Schlussbesprechung, einundzwanzig Uhr fünfzig, Konferenzraum, Jägerstraße. Die Putzwagenklapper im Flur reichte nicht bis hier. Harper hatte die unterschriebene Unabhängigkeitserklärung extra liegen lassen. Beide Namen. Ihr Mandat. Sein Schild.

Elias kniete, Hose an den Schuhen. Er sah sie an, bevor sie es erlaubt hatte. Sie ohrfeigte ihn einmal trocken. Wange heiß. Er blieb. Der Schwanz zuckte in der offenen Hose, und er hasste, dass sie das sah, und wollte, dass sie es sah.

Sie spuckte ihm in den Mund. Er schluckte, weil sie wartete, und weil ihm das Schlucken den Mund voll und den Schwanz nass machte.

Dann die Tischplatte. Harper, Bluse offen, ein Knopf sprang unter den Beamer. Sie setzte sich auf seinen Schwanz, nahm ihn ganz, nass, und fickte ihn dort, wo am Nachmittag noch die Partnerin gesessen hatte. Der Ordnerabdruck von Donnerstag lag als Schatten unter ihrer Hand, Seitenzahl vierzehn. Sie wichste ihn danach mit der Hand, die Pelikankappe gegen seine Zähne als Takt, Klick, Klick, und ließ ihn auf das unterschriebene Blatt spritzen. Samen auf ihrem Namen und seinem.

Sie kam, indem sie sich auf seinen Oberschenkel rieb, nass über denselben Schatten. Der Pelikan tickte noch einmal gegen seine Zähne, dann nicht mehr.

Danach zog sie das Blatt raus. Barfuß zum Drucker im Vorzimmer. Das saubere Exemplar in die Mappe. Der Zweitdruck loggte 22:17. Irgendwer in der IT würde den Stempel sehen. Sie wischte sich nicht ab. Der fehlende Knopf lag unter dem Beamer.

Im Fahrstuhllicht schloss Harper die Jacke über der Bluse. In der Innentasche der Stick mit seinem Rücken, Schleife, gespreizte Knie. Elias drehte die Pelikankappe dreimal und unterschrieb die Partnerunterlagen nicht, obwohl die Abstimmung in Tagen war. Die Mappe blieb zu.

Keiner von beiden tat so, als wären sie zwei Leben.

„Montag.“ Harper, dieselbe Stimme.

Die Pause blieb liegen. Unabhängigkeit war Papier, das jemand schon hatte. Was brach, war genau das, was auf dem Spiel stand. Sie gingen trotzdem aus der Tür, nacheinander, als wäre die Spalte neu aufgezogen.